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St. Katharina und St. Laurentius Kirche zu Rostock-Toitenwinkel
Liebe Toitenwinkler, liebe Freunde der Toitenwinkler Kirche, liebe Gäste!
Im September 2003 konnten wir erstmals mit vielen Gästen, Förderern und Freunden, insbesondere der großen Familie von Moltke, unseren restaurierten Chorraum mit der wieder aufgebauten Kanzel feierlich für den Gottesdienst nutzen. Weihnachten, die Hochfeste, Konzerte und nun die Gottesdienste im Sommerhalbjahr lassen uns immer wieder mit Dankbarkeit an die seit 1995 zur Rettung unserer Toitenwinkler Dorfkirche gegangenen Schritte denken.
Kirchenbesichtigung und Kirchenführungen
Kirchenöffnungen im Sommerhalbjahr jeweils Sonnabends von 16:00 bis 19:00 Uhr für Besichtigung, Stille, Gespräch und Gebet.
Kirchenbesichtigungen und Kirchenführungen können Sie des Weiteren über Frau Pastorin Finger (Tel.: 0381/637340) sowie mit Herrn Luschtinetz (Tel.: 0381/682113) und Herrn Bauer (Tel.: 0381/6861207) vereinbaren.
Auszug aus unserem Kirchenführer
Seien Sie herzlich willkommen in der altehrwürdigen Kirche zu Toitenwinkel und genießen Sie hier - nicht weit vom Trubel des Neubaugebietes - einige Minuten der Stille. Vielleicht fragen Sie sich dabei, warum bereits im Mittelalter hier im "Stuten-Winkel (toite=slaw. = junge Stute) eine so stattliche Kirche gebaut wurde und wie diese mit ihrer mittelalterlichen Ausstattung durch die Jahrhunderte bis auf unserer Tage erhalten geblieben ist.
Schauen wir in die Geschichte zurück...
Durch den großen Torbogen des alten Friedhofstores, das Sie gerade auf dem Wege zur Kirche passiert haben, sind vor Ihnen schon seit über fünfhundert Jahren die Gläubigen zum Gotteshaus gelangt - einst begrüßt und beschützt von Katharina und Laurentius, die als Patrone unserer Kirche in den Nischen des Tores präsent waren. Diesen beiden Heiligen begegnen wir auch noch heute an mehreren Stellen unserer Kirche, so in den Deckenmalereien des Chorraumes und mehrfach auf dem doppelflügligen Altar. Als die Kirche in vorreformatorischer Zeit im 14.Jahrhundert erbaut wurde, spiegelte sich die Volksfrömmigkeit mit der Heiligen- und insbesondere Marienverehrung entsprechend der damaligen Zeit natürlich in der Ausstattung der Kirche wider. Neben den mittelalterlichen Fresken der "Volksbibel" finden wir auch die "weltliche" Präsenz in Form von Wappen und Grabmalen. Im Chor über dem Altar sehen wir die drei Birkhähne am Schild und die Helmzier der Herren von Moltke. Diesem mächtigen mecklenburgischen Adelsgeschlecht gehörten mit dem Kauf des Toitenwinkels 1262 zahlreiche Dörfer um ihren Stammsitz hier in Todendorp. Seit 1300 übten die Moltkes dann auch das Kirchenpatronat über die Kirchen in Toitenwinkel und Bentwisch aus.
Grundriß der Kirche zu Toitenwinkel
Die zu Beginn des 14.Jahrhunderts auf einem Granitfeldsteinfundament errichtete Backsteinkirche verdankt ihr jetziges Aussehen vor allem einer gründlichen Renovierung und umfangreichen Bauarbeiten im Jahre 1889. In diesem Jahr wurde der alte Holzturm durch einen neugotischen Backsteinturm ersetzt (A). Auch das Querschiff ist zu jener Zeit in den Giebelbereichen umgestaltet worden (D). Es hat die gleiche Höhe wie das Mittelschiff und gab so der Kirche von alters her das Kreuz als Grundform.
Die Toitenwinkler Kirche ist keine Hallenkirche (mit gleicher Höhe von Mittel- und Seitenschiffen), wie sie eigentlich für die mecklenburgische Landschaft typisch ist, sondern besitzt ein erhöhtes Mittelschiff und zwei niedrige Seitenschiffe. Mit den Umbauarbeiten erfolgte 1889 auch eine gründliche Restauration des Innenraumes. Dabei wurden beim Abklopfen der weißen Tünche im Chorraum (C) die alten Wandmalereien (1) des ausgehenden 14.Jahrhunderts freigelegt und im Stil der damaligen Zeit restauriert. Lassen wir diese eindrucksvollen Zeugnisse mittelalterlicher vorreformatorischer Frömmigkeit auf uns wirken. Zwei übereinander stehende Bilder-Zyklen zeigen Szenen aus der Bibel, der obere Fries aus dem Alten Testament und der untere aus dem Neuen Testament.
Der weitaus bessere Erhaltungszustand der
Gewölbebilder (2) ist darauf zurückzuführen, dass man sie im 19.Jahrhundert sehr
deutlich überarbeitete, während man die Wandmalerei nur behutsam "auffrischte".
Stand die Jungfrau Maria bereits in den Szenen des Neuen Testaments oft im
Mittelpunkt, so steht ihre Krönung zur "Himmelskönigin" mit im Zentrum der Decke
- zwischen Jesu Kreuzigung und dem Weltgericht. Um diese drei Szenen gruppieren
sich wichtige Episoden der Passionsgeschichte sowie (in den sechzehn Zwickeln)
Petrus, Paulus die übrigen Apostel und die Kirchenpatrone Laurentius und
Katharina.
Eine weitere gewaltige Heiligenfigur, die sicher mit der übrigen Malerei entstanden ist, wird an der Nordwand des Chores durch ein späteres Grabmal (6) verdeckt. Es ist dies der heilige Christophorus (Christusträger), der ebenfalls zu den 14 Nothelfern zählt. Er ist der Fürsprecher der Fahrensleute und wurde als Bewahrer vor dem "plötzlichen Tode" angerufen.
Im Zentrum der Ausstattung jeder Kirche
steht der Altar (3). Der mittelalterliche Altaraufsatz aus dem 15.Jahrhundert
ist heute üblicherweise geöffnet. Früher war diese Öffnung allein kirchlichen
Hochfesten vorbehalten, meist sah der Gläubige auf dem geschlossenen Schrein nur
die Bilder von vier Heiligen. Erkennbar sind noch die Standbilder der beiden
Patrone Laurentius und Katharina, in Analogie zur Deckenmalerei nimmt man für
die beiden anderen die Apostelfürsten Petrus und Paulus an. Bei der ersten
Öffnung des doppelflügligen Altars ("Pentaptychon") sahen die Gläubigen dann 16
gemalte Szenen der Passionsgeschichte - von denen noch einige erkennbar erhalten
sind. Erst die letzte "Wandlung" unseres Flügelaltars macht so den ganzen
plastischen Schmuck sichtbar, der sich um die zentrale Kreuzigungsszene aufbaut.
Beidseits befinden sich zunächst je 6 Apostel unter gotischen Baldachinen und
auf den Außenflügeln insgesamt 20 weitere Heilige, die man im Mittelalter allein
an ihren Attributen erkannte. Auf dem linken Flügel befinden sich wieder beide
Kirchenpatrone (oben links), Laurentius mit dem Rost und Katharina mit dem Rad.
Der Altarschrein steht auf einem Aufsatz, einer Predella, auf welcher der dornengekrönte, von zwei Engeln flankierte Christus eingerahmt wird von den vier Kirchenvätern Gregor, Ambrosius (links), Hieronymus und Augustinus. Ein großes bemaltes Triumphkreuz, das früher über dem Chorbogen angebracht war, befindet sich heute in der Kirche zu Gehlsdorf.
Mit der reich geschmückten Kanzel (4)
verlassen wir das Mittelalter und gelangen in die (Gedanken)Welt der
Reformation, in welcher das gepredigte Gotteswort einen zentralen Stellenwert
einnahm - zudem treten uns nun deutlicher die Stifter unserer Ausstattung
entgegen. So ließ im Jahre 1601 der edle Jürgen von Moltke, "erbgesessen zv
Toitendorp disen Predigstvel zv Gottes Ehren machen", wie dies die Tafel am
Kanzelaufgang mit seinen Wappen bezeugt. Die dargestellten Personen sind die
vier Evangelisten (von links: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes) und im
Zentrum der Erlöser.
Wie diese Kanzel ist auch das gegenüberstehende, nur wenig jüngere Patronatsgestühl (5) im feinsten Renaissancestil gehalten. Von den reichen Intarsien mussten einzelne im letzten Jahrhundert erneuert werden. Der Stifter Gebhard Moltke, der sich hier noch mit seiner ersten Frau an den Eckpilastern verewigen ließ, hatten den gesamten Toitenwinkler Besitz von seinem (hochverschuldeten!) Vetter Jürgen aufgekauft; von 1627 bis 1630 war er Mecklenburgischer Kanzler bei Wallenstein - was ihm daraufhin die Verbannung gen Lübeck eintrug. Über dem Gestühl hängt nun das reiche Epitaph seiner Stieftochter Sophie von Strahlendorf (gest.1621).
Bevor Sie die Kirche verlassen, sollten Sie noch in die nördliche Seitenkapelle gehen. Besonders das große Ölgemälde, das Gebhards Sohn Joachim Friedrich im Jahre 1660 über sein Grab stiftete (7), und sein Totenschild (9) verdienen Ihre Aufmerksamkeit. Da alle Kinder vor ihm starben, ging nach dem Tod des Stifters (1677) aller Besitz an die Familie von Mandelsloh über, die ihn, wiederum meist verschuldet, 1781 ihrem Landesherrn übertrug. An einer Seitenwand stehen aus dem Chor übertragene Grabplatten aus dem 16. und 17.Jahrhundert (8), links jene für Johann Moltke (gest.1547) und seine Frau Katharina Hahn, in der Mitte die des einst mächtigen Gebhard Moltke (gest.1645) und rechts die des Carin von Moltke, der 1564 von seinem eigenen Müller erschlagen wurde.
In der Kirche erinnern Predigerbildnisse an Pastoren, die hier im 17.Jahrhundert die Gemeinde betreuten; auch die Bildtafel für Luther darf in unserer mecklenburgischen Kirche nicht fehlen. Über den Seitenausgängen erinnern Holztafeln an die in den vergangenen Kriegen gefallenen Söhne der Gemeinde. Der Opferstock unter diesen Tafeln ist für den Erhalt der Kirche bestimmt, auf das sich weiter erfüllen mach, was am Aufgang der Kanzel steht:
LATET DAT WORD CHRISTI RICKLIKEN MANCK IVW WANEN IN ALLER WISHEIT
("Lasset das Wort Christi reichlich unter euch wohnen in aller Weisheit" (Kollos. 3)
Helfen auch Sie bei der Rekonstruktion unserer mittelalterlichen Dorfkirche!
Förderverein Toitenwinkler Kirche e.V., Tel.:0381/682113, Spendenkonto: Deutsche Bank 24, Kto.-Nr.:6018055, Bankleitzahl:130 700 24